Theater auf sizilianisch

Mit dem „Teatro Baraonda“ aus Berlin erlebten 30 Kinder die Geschichte der Vogelscheuche Strassilo

CORNELIA FELSCH

NEURUPPIN Gerade sind die Kinder im Museumshof eingetroffen, schon sitzen sie auf einem Feld: Die Vögel zwitschern, Schmetterlinge flattern durch die Luft. Eduardo Mulone vom „Teatro Baraonda“ gelingt es im Handumdrehen, seine kleinen Zuschauer in eine andere Welt zu entführen. Baraonda bedeutet „Getümmel“, und das herrscht auf der Bühne, wenn der quirlige Mann von einem Ort Besitz ergriffen hat.

Noch ist nur eine Vogelscheuche zu sehen, aber im Hintergrund tut sich etwas. Es trappelt und rumpelt, schließlich ertönt eine Fanfare. Der Leierkastenmann Bob macht auf seiner Reise von Frankreich nach Venedig und Athen in Neuruppin Halt. Im Theaterladen erzählt er die Geschichte von der Vogelscheuche Strassilo: „Eine fröhliche Geschichte, die aber auch ein bisschen traurig ist.“ Flink und zappelig schlüpft Eduardo Mulone in die verschiedenen Rollen, ist mal Vogelscheuche, mal ein schwarzer Rabe, dann wieder der Leierkastenmann Bob: „Die Vogelscheuche hatte ein schönes Leben, bis eines Tages ein schwarzer … kam.“ Die Kinder folgen begeistert dem Spiel. Schnell haben sie erraten, wer da kommt. Natürlich ein schwarzer Rabe und schon trägt Bob eine schwarze Maske mit einem großen krummen Schnabel. „Krah, krah, krah, wer steht denn da …“, singt er und begleitet sich mit der Gitarre. Aus den fröhlichen Augen des kleinen Italieners mit den viel zu großen Schuhen und den strubbeligen Haaren sprüht das Temperament. Schnell hat es auch von den Zuschauern Besitz ergriffen, die Augen leuchten, die Kinder lachen fröhlich. Sie sitzen nicht mehr auf den Kissen, sondern erleben die Abenteuer der armen Vogelscheuche, die bald in der Scheune landen soll. Sie hat ausgedient. Aber sie ist nicht allein auf der Welt. Professor Archibald hat die rettende Idee: „Fliegen!“ – Das ist das Lösungswort. Schon ist eine Mülltüte zur Hand, die Kinder müssen helfen, sie mit Luft zu füllen.

Seit 25 Jahren lebt Eduardo Mulone in Berlin. Geboren in Sizilien, ist er mit dem Spiel der fahrenden Komödianten aufgewachsen. Es ist seine Welt und seine Sprache. Alles scheint kinderleicht und poetisch. Stimme, Körper, Gitarre und ein sparsames Bühnenbild – mehr braucht er nicht, um sich mit den Kindern auf eine Fantasiereise zu begeben.

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